Erstickungsanfälle nachts - Refluxbett

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2 Jahre 2 Monate her - 2 Jahre 1 Monat her #5 von Jürgen K.
Jürgen K. erstellte das Thema Erstickungsanfälle nachts - Refluxbett
Aufgrund der "offenen Speiseröhre" gibt es bei Magenhochzugsoperierten keinen Verschluss am Mageneingang mehr. Dies führt dazu, dass der Mageninhalt im Liegen nach oben steigen kann. Infolge dessen kommt es bei mir vor, dass ich schwere nächtliche Refluxanfälle mit Atemnot habe. Laut meinem Facharzt wird der Mageninhalt durch das Zwerchfell im Schlafen hochgedrückt. Die aufsteigende Salzsäure verätzt das Gewebe von Luftröhre, den Stimmbändern und der Lunge. Die Schmerzen sind unerträglich und das Gewebe scheint sich durch diesen Vorfall so stark zusammenzuziehen, dass ich kaum noch Luft bekomme. Danach muss ich bis zu 2 Stunden die Salzsäure wieder heraushusten/würgen was mich so viel Kraft kostet, dass ich noch am Folgetag völlig im Eimer bin davon. Da das Gewebe durch die einlaufende Salzsäure stark geschädigt wird und es in der Lunge zu einer Lungenentzündung kommen kann habe ich seit meiner Operation vor 8 Jahren viel ausprobiert um diese schweren Refluxanfälle im Tiefschlaf zu vermeiden.

Ich möchte nun meine Ideen zur Lösung dieses Problems den Lesern im Forum vorstellen und freue mich sehr über weitere Ideen und Anregungen unserer Leser dazu:

Ernährungsumstellung, spät nichts mehr essen, Medikamente - all das hat bisher mir wenig bis nichts gebracht. Durch Protonenpumpenhemmer gelingt es mir aufgrund der reduzierten Magensäure die Schwere der Refluxanfälle etwas zu mildern - die Anzahl der nächtlichen Refluxanfälle kann ich so nur wenig reduzieren. Derzeit nehme ich 80 mg Pantoprazol, strebe 40 mg an und hatte auch schon mit Dosen um die 200 mg experimentiert.

Um den Mageninhalt beim Schlafen am Aufsteigen zu hindern kann man die Schwerkraft nutzen anstatt Medikamente einzunehmen. Dazu habe ich folgende Möglichkeiten ausprobiert:

Kopfteil/Fußteil des Lattenrostes hochstellen. Führt dazu, dass der Kopf/Oberkörper abgeknickt wird was das Zwerchfell wiederum anregt zu arbeiten. Darüberhinaus liegt man so in einer Kuhle welche ein Drehen auf die Seite im Schlaf unmöglich macht, der Schlafende ist in Rückenlage fixiert - kein gutes Schlafen also.

Erhöhen des Oberkörpers durch das Unterlegen von Decken und Kissen. Rutscht nachts weg sodass man nachts leicht flach zum Liegen kommt ohne es im Schlaf mitzubekommen - auch dies ist keine gute Lösung.

Im Sitzen schlafen - schlechtester Schlafkomfort welcher auf die Dauer die Wirbelsäule schädigt.

Beste Lösung:

Kompletten Lattenrost in Kopfhöhe anheben um eine durchgehende Steigung für den ganzen Körper zu bekommen welche den Oberkörper nicht einknicken lässt und ein Drehen auf die Seite im Schlaf ermöglicht. Mit diesem System sind hohe Steigungen einstellbar, kein Wegrutschen in die gefährliche flache Lage im Schlaf, seitliche Lage möglich, keine Belastung der Wirbelsäule. Einziger Nachteil ist die Tendenz zum Abrutschen nach unten welche mit höherer Steigung immer größer wird.

Leider habe ich bis heute noch kein Bett gesehen welches diesen einfachen Anforderungen gerecht wird. Es gibt aufwändige und teuere Bettkonstruktionen, teilweise sogar mit Motoren, welche sich alle Richtungen einstellen lassen - eine durchgehende Steigung kann man mit diesen nicht einstellen (ich kenne nur ein Krankenhausbett welches das kann). Auch gibt es mittlerweile (teure) Refluxlattenroste welche sich aber nicht hoch genug einstellen lassen. Auf meine Anfrage ob es möglich sei die einfachen Refluxlattenroste an die Erfordernisse unserer Betroffenen anzupassen wurde vom Hersteller nicht eingegangen. Stattdessen wurde auf die Entwicklung noch aufwändigerer Motorroste verwiesen - was für ein Schwachsinn!

Da ich bisher keine Bettkonstruktion gefunden habe die meinen, und wohl auch den Bedürfnissen vieler anderer Betroffenen entspricht, habe ich mir diese selbst gebaut. Dazu habe unter das Kopfende eines stabilen Lattenrostes 2 -4 höhenverstellbare Stützböcke gestellt. Ein Seil mit Karabinerhaken welches mich mit einem Gurt am Hintern vor dem Abrutschen bewahrt verwende ich, wenn die Steigung am Kopfende 55 cm übersteigt.

Dieser einfache Aufbau übertrifft alles bisher Käufliche. Er ist kompakt, einfach und kostet nicht viel. Vielleicht hat hier noch jemand eine Idee, dieses System zu optimieren - oder eine andere, bessere Idee. Es wäre auch begrüßenswert, wenn die Industrie oder ein Handwerksbetrieb auf die Idee käme, ein kostengünstiges und kompaktes System zu entwickeln welches meinen provisorischen Aufbau übertrifft. Für die Motivation dieser Unternehmen habe ich eine kleine Umfrage an unsere Betroffenen eingestellt um den Bedarf an einer geeigneten Bettkonstruktion zu dokumentieren.

Sie Foto unten: Konstruktion als Reisebettvariante (klapparer Lattenrost mit 4 Stützböcken) .
Anhang:
Letzte Änderung: 2 Jahre 1 Monat her von Jürgen K..

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2 Jahre 1 Monat her #18 von Baujahr70
Baujahr70 antwortete auf das Thema: Erstickungsanfälle nachts - Refluxbett
Hallo Jürgen,

Deinen wertvollen Tipp, daß es unter Umständen mit dem Schlafen auf der "schiefen Ebene" um einiges lebenswerter werden könnte, habe ich nach meiner OP sehr zeitnah angenommen.
Es hat damals zwar noch einige Wochen gedauert, bevor mir das Liegen auf der Rampe nach dem großen Eingriff schmerzlos möglich war, hatte zwischenzeitlich auch mal nur eine kurze Testphase, aber irgendwann konnte ich dann doch endlich durchgehend von meinem Schlafsessel im Wohnzimmer auf den neuen alten Schlafplatz wechseln.

Meine Erfahrung mit dieser schrägen Ruhefläche ist absolut positiv. Das nächtliche mehrmalige herunterrutschen kompensiere ich mittlerweile im Schlaf - robbe die Matratze wieder hoch ohne wirklich wach zu werden.

Durch diese mit ausgestrecktem und trotzdem hochgelagertem Oberkörper liegende Position sind nächtliche Refluxe bei mir so gut wie nie zu beanstanden ... obwohl ich seit ewiger Zeit keinerlei Protonenpumpenhemmer einnehme.

Ich achte aber schon sehr darauf, daß ich an jedem Tag kohlensäurehaltige Getränke konsumiere, da meine Theorie darauf basiert, daß ich kein Problem mit Magensäure hab, sondern die aufsteigenden Verdauungssäfte "ohne Magen" eher basisch (Lauge) sind.
Daher denke ich (rede ich mir ein), daß die Kohlensäure die basischen Verdauungssäfte neutralisiert.
Ob es wirklich so ist? Keine Ahnung ... aber zumindest funktioniert es bei mir meistens ... Nachahmung empfohlen. .>)

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2 Jahre 1 Monat her - 2 Jahre 1 Monat her #19 von Jürgen K.
Jürgen K. antwortete auf das Thema: Erstickungsanfälle nachts - Refluxbett
Hallo Stefan,

wir brauchen den Magensaft für die Verdauung. Ich sehe daher auch keinen Sinn darin die Magensäure mit Medikamenten zu unterdrücken wenn das Problem die offene Speiseröhre ist. Die nächtlichen Säurerefluxattacken lassen sich nach meiner Erfahrung nur durch das Schlafen auf der schiefen Ebene verhindern. Ich nehme jetzt 40 mg Pantoprazol zur Nacht, jedoch nur um die chronische Entzündung meines Restmagens zu begrenzen - sonst würde ich, wie Du, auch keinerlei Medikamente zur Magensäureregulierung nehmen.

Ich schlafe genau so wie Du, ziehe mich nachts immer wieder hoch beim Schlafen. Habe mit extra hohen Stützböcken nun 55 cm am Kopfende, damit kann ich gerade noch so schlafen ohne mich festzubinden. Mit dieser Höhe habe ich jetzt seit über einem halben Jahr keinen Refluxanfall mehr gehabt, alles was nur ein bisschen weniger ist stellt schon ein Risiko dar - je flacher, desto mehr. Früher hatte ich die handelsüblichen Böcke mit lediglich bis zu 36 cm Einstellhöhe, da ist es häufig zu Refluxanfällen gekommen. Leider sind die Refluxlattenroste eines bestimmten Herstellers aufgrund ihrer noch niedrigeren Einstellhöhe ungeignet. Rutschfeste Bettwäsche (zB Frottee) lässt mich nicht ganz so schnell abrutschen. :lol:

Wie sieht eigentlich Deine Bettkonstruktion aus Stefan? Wie hoch ist Dein Bett am Kopfende?
Letzte Änderung: 2 Jahre 1 Monat her von Jürgen K..

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2 Jahre 1 Monat her #20 von Baujahr70
Baujahr70 antwortete auf das Thema: Erstickungsanfälle nachts - Refluxbett

Jürgen K. schrieb: Wie sieht eigentlich Deine Bettkonstruktion aus Stefan? Wie hoch ist Dein Bett am Kopfende?

Hallo Jürgen,

wir hatten vor meiner Erkrankung Gel-Matratzen ... ähnlich wie ein Wasserbett ... dafür hatte ich das Grundgestell unseres Doppelbetts schon zum "Podest" umgebaut.

Also war praktisch schon eine durchgehende und ebene Auflagefläche von 2 mal 2 Metern gegeben, auf der ich mit hilfe einiger Kantholzstücke und mit ein paar Schrauben die beiden elektrisch verstellbaren Lattenrosten (1m x 2m) "aufgebockt" hab.

Mein Kopfende ist fast genau 30 cm höher als das Fußende ... ist bei den 2 m Lattenrostlänge also nach Adam Riese eine Neigung von 15°.
Damit komm ich bestens zurecht ... kaum Refluxprobleme und rutsche nur maximal 6 mal pro Nacht etwas zu weit nach unten ... das merke ich dann spätestens wenn die Beine etwa bis zum Knöchel über die Matratze ragen.

Werde demnächst mal ein paar Bilder vom umgebauten Bett und auch von meinem "Reise-Schlafkeil" hochladen.

PS: Den Lattenrost meiner Frau habe ich am Kopfende nur etwa um 10 cm erhöht ausgerichtet, wodurch auch ihre Refluxproblematik sowie die Rückenschmerzen nach längerem liegen um einiges weniger geworden sind. .>)

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2 Jahre 4 Wochen her #21 von Summerbird
Summerbird antwortete auf das Thema: Erstickungsanfälle nachts - Refluxbett
Hallo Jürgen,
Mein Mann hatte vor knapp 4 Jahren eine komplette Speiseröhrenentfernung mit Magenhochzug. Obwohl er sich sehr gut erholt hat und eigentlich auch normal essen kann, ist sein Problem nach wie vor das Schlafen. In den letzten 2 Jahren haben sich die nächtlichen Reflux-Anfälle und Magensäure die in die Lunge geht, gehäuft. Ich kenne das gut was Du beschreibst, es tut so weh dass er kaum atmen kann und noch 3 Tage danach gelben Schleim hustet. Zum Glück hatte er bisher noch nie eine Lungenentzündung. Was den Schmerz ein bisschen lindert sind Lutschtabletten gegen Halsschmerzen (Mebucaine) die die Speiseröhre etwas gefühlslos machen, nachdem er so einen Anfall hatte.
Wir haben ein elektrisch verstellbares Bett gekauft diesen Sommer, bei dem Kopf und Fussteil verstellt werden könnnen wie bei einem Spitalbett. So liegt er eingekeilt und rutscht weniger hinunter. Ausserdem hat er nachts ein Nacken-Reisekissen vorne um den Hals (wir haben hinten Gummibänder mit Schnappverschluss angenäht), damit der Kopf nicht nach vorne fällt im Schlaf.
UND TROTZDEM passiert es immer noch, dass der Magensaft hochkommt. Er nimmt morgens und abends 40mg Pantoprazol, damit ist der Mageninhalt nicht mehr allzu sauer. Es tut trotzdem weh wenn es in die Lunge geht. Kürzlich hat er mit Metpamid begonnen, das ist eigentlich ein Antiemetikum, aber hilft für eine schnellere Magenentleerung. Übermorgen hat er einen Termin beim Magen-Darm Spezialist, da werden wir auch nach Nebenwirkungen von diesem Medikament fragen.
Ach ja, und was ich noch vergessen habe, wenn er eine gute Nacht ohne Probleme haben will, dann isst er nachmittags ab 17.00 nichts mehr und geht um 23.30 ins Bett. Da tut er mir auch leid, weil er dann Hunger hat! Glücklicherweise kann er sein Gewicht halten.
Das sind unsere Erfahrungen mit dem Schlafproblem.....
Lieber Gruss
Sonja

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2 Jahre 3 Wochen her #22 von Jürgen K.
Jürgen K. antwortete auf das Thema: Erstickungsanfälle nachts - Refluxbett
Hallo Sonja,

vielen Dank für Deinen Beitrag im Forum. Ich weiß leider nicht genau wie Dein Mann auf dem Bett liegt. Wäre es möglich uns eine kleine Zeichnung oder ein Foto des Bettes (so wie das Bett zum Schlafen eingestellt ist) zukommen zu lassen?

Gruß
Jürgen

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